millencolin
 

MILLENCOLIN

 

Am 22.01.02 hatten wir die Chance ein Interview mit Nikola Sarcevic, Sänger und Bassist der schwedischen Band Millencolin, im Berliner Mercure Hotel zu machen. Wie das so ist, waren wir pünktlich, aber mussten noch warten, denn es hatte sich alles eine halbe Stunden verschoben. Machte aber nix, wir haben solange mit dem Promotiontyp rumgehangen und gequatscht. Dann endlich waren wir dran und nach dem üblichen Begrüßungsgeplänkel legten wir mit unseren Fragen los.

 

Frank:Bitte erzähl uns etwas über euer neues Album.

Nikola: Da gibt es eine Menge zu erzählen. Kannst du vielleicht etwas genauer fragen?

Frank:Gibt es im Vergleich zu dem alten Album Unterschiede ? Wie genau sehen diese aus?

Nikola: Der Unterschied im Sound besteht darin, dass das Album jetzt mehr danach klingt, wie wir live klingen. Ich denke, man kann hören, dass die Band lange auf Tour gewesen ist. Das spiegelt sich wieder. Wir haben uns im Spielen unserer Instrumente etwas verbessert und mein Gesang hat sich hoffentlich auch gebessert. Alles ist ein bißchen straffer und heftiger geworden. Der Sound ist etwas rauher. Auf unserem ersten Album war der Sound nicht so kraftvoll. Unser jetziges Album ist kraftvoller und die Songs sind in einem guten Mix zueinander, fröhliche Songs, heavier Songs, sehr emotionelle Songs und auch melancholische Songs. Diesen Mix hatten wir auch früher schon, aber auf dem neuen Album ist es mehr Rock. Die Gitarren sind heavier als auf den ersten Alben.

Frank:Habt ihr Ska-Elemente in eurem neuen Album?

Nikola: Nein, auf diesem Album nicht. Die Songs sind jetzt eher rockiger. Es ist ein rocklastiges Album.

Frank:Auf eurer Homepage habe ich gelesen, dass der Titel von eurem Album sehr kurzfristig bekanntgegeben wurde. Warum?

Nikola: Der Titel des Albums ist der selbe, wie der letzte Song des Albums. Wir hatten einfach ein paar Probleme uns einen guten Titel einfallen zu lassen. Man will schließlich einen guten Titel haben. So sind wir alle Songtitel durchgegangen. Der Titel „Home from Home“ symbolisiert, dass die Band für uns ein zweites Zuhause ist. Ich denke, dass symbolisiert das Album, die Band und die Musik generell.

Frank:Auf dem Album „Life on a Plate“ ist ein Song mit dem Titel „Ace Frehley“. Bist du ein KISS-Fan?

Nikola: Ich bin mit KISS aufgewachsen. Zu der Zeit war ich nicht der große Fan, mein Bruder war der große Fan von ihnen. Sein Zimmer war voll von KISS-Postern. So bin ich mit denen aufgewach­sen und Ace Frehley war mein Lieblingsmitglied der Band.

Frank:Aha, deswegen also der Song.

Wusel:Wann hast du dann KISS das erste Mal live gesehen?

Nikola: Ich habe KISS noch nie live gesehen. Zu der Zeit, in den Siebzigern, war ich noch zu klein und in den Achtzigern kam das mit dem Make-Up auf, und ich war zu ängstlich, um zu den Konzer­ten zu gehen. Damals war ich erst vierzehn. Und nach der Reunion war ich nicht so interessiert daran, zu den Konzerten zu gehen. Sie haben ihren Platz in meinem Herzen. Ich habe etwas Angst davor, dass ihre Show eine Enttäuschung sein könnte und die Legende zerstört wäre. Ich denke, dass ihre Show heute besser als damals ist. Manchmal, wenn man Bands live sieht, verliert man das Interesse. Wenn es eine neue Band gibt und ihr Album gefällt einem, ist es manchmal so, dass man das Interesse verliert, nachdem man sie ein paar Mal live gesehen hat.

Frank:Habt ihr viele Fans in Australien und Neuseeland? Ihr werdet dort einige Konzerte geben.

Nikola: Vor allem in Australien haben wir viele Fans. Das ist wirklich das Land, in dem wir am größten sind. Wir haben dort den Gold-Status erreicht. Es ist das einzige Land, in dem wir das geschafft haben. Wir werden im Februar dort sein. Es sind die ersten Konzerte zu dem neuen Album. Dort kam das Album auch viel füher heraus. Fast vier Wochen früher.

Frank:Wird es auch Konzerte in Deutschland in diesem Jahr geben?

Nikola: Wir werden auch eine Europa-Tour machen und dann werden wir auch einige Konzerte Anfang Mai in Deutschland geben.

Wusel:Was denkst du, warum seid ihr so populär in Australien?

Nikola: Ich denke, es liegt an der Art von Musik. Es ist der „Californian-based“ Punkrock, das ist sehr groß dort. Andere Bands mit einem ähnlichen Stil sind dort auch sehr populär. Es geht ineinander über, die australische Lebensweise und die Kulturen, mit Surfen und Skate-Boarding und andere Extremspotrarten. Wir waren das erste Mal 1996 da, inzwischen waren es schon vier Mal und mit jedem Mal sind wir etwas größer geworden dort.

Wusel:Fühlt ihr euch dort dann mehr als Stars?

Nikola: Wir fühlen uns eigentlich wie jeder andere auch. Auf einer Tour fühlt man sich eher als ein Bandmitglied, als ein Star. Wir sehen doch auch nicht so aus wie Stars. Wir sind zwar sehr populär in Australien und das ist ein gutes Gefühl, aber Australien ist weit weg und hat keine negativen Auswirkungen auf uns. Andererseits stelle ich es mir hart vor ein großer Star zu sein, auch für dein Land oder deine Stadt und es ist wahrscheinlich hart, seine Integrität zu bewahren.

Frank:Bist du froh über den jetzt abnehmenden Hype von Skate-Punk?

Nikola: Ich denke nicht so viel nach darüber, wie oft Bands auf MTV zu sehen sind. Ich denke es ist großartig für Bands wie Blink 182 erfolgreich zu werden. Ich freue mich für sie, ich wäre auch glücklich darüber. Die Musik ist das wichtigste und wir konzentrieren uns darauf, die beste Musik zu machen. Und was dann danach passiert, ob sie Erfolg hat und sich wirtschaftlich lohnt, ist dann ein Bonus. Ich bin nicht verärgert über diese Entwicklungen. Ich denke wir haben eine stetige und solide Fanbasis.

Frank:Ja, ich glaube auch, ein Video, dass ein halbes Jahr auf MTV läuft, ist nicht soviel wert, wie eine gute Fanbasis.

Nikola: Eine gute Fanbasis ist auf jeden Fall das Beste. Solange wir mit unserer Musik glücklich sind und unsere Musik von Herzen kommt, wird es auch ein paar Leute da draußen geben, die uns mögen.

Frank:Könnt ihr von eurer Musik leben?

Nikola: Ja, es reicht um davon zu leben. So können wir uns auch ganz auf unsere Musik konzentrie­ren. Wenn man nicht davon leben kann, muss man andere Dinge machen, um Geld zu verdienen. Dann hat man nicht soviel Zeit für die Musik. Es ist unser Glück, dass wir davon leben können und uns somit auf die Musik konzentrieren können.

Frank:Kannst du die Skate-Punk-Szene in Schweden beschreiben? Gibt es Unterschiede zu der Szene in den USA oder Deutschland?

Nikola: Skate als ein Sport und als Kultur ist ganz groß in Schweden seit den späten Achtzigern, Anfang der Neunziger und heute ist er größer als je zuvor. In den frühen Neunzigern war er sehr verbunden zum Punkrock, aber heute ist es in Schweden mehr mit HipHop verbunden. So gibt es dort mehr HipHop-Bands als Punk-Bands. Für mich spielt es keine Rolle ob es HipHop oder jede ander Art von Musik ist. Im Vergleich zu den USA glaube ich, dass dort die Skatekultur ebenfalls größer ist als je zuvor, aber ich glaube es ist dort noch mehr mit Punkrock verbunden. Und in Deutschland? Ich weiß nicht. Kannst du es mir sagen?

Frank:Ich glaube, es ist auch groß bei uns. Da ich aber noch nie in den Staaten war, kann ich den Unterschied nicht feststellen, aber in Deutschland ist sie groß. Wie sehen eure Zukunftspläne aus?

Nikola: Jetzt ist unser neues Album draußen und als nächstes werden wir nach Australien und Neuseeland gehen und danach in die USA und Kanada im März und April. Danach folgt Europa im April / Mai. Und im Sommer werden wir sehen, vielleicht Festivals.

Frank:Ihr macht eine sehr lange Tour!

Nikola: Nun, das kommt darauf an, wen du fragst. Die Labels wollen, das man die ganze Zeit unter­wegs ist, überall. Du sollst an deine Grenzen gehen. Ich denke, es ist ein guter Start. Momen­tan haben wir genug Energie. Wenn wir danach noch mehr machen wollen, werden wir das tun.

 

Glücklich und zufrieden schlenderten wir nach dem Interview nach Hause. Wir waren ganz zufrie­den. Und Nikola meinte nur noch, er werde heute wahrscheinlich im Schlaf immer noch quatschen, da er in den letzten zwei Tagen nichts anderes gemacht hatte.

FRANK UND WUSEL

 
   
 
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