Terror beim Frankfurt - Gig...
 
Terror beim Frankfurt - Gig...
(und das alles nur, weil POPPERKLOPPER nicht kamen!)


Was macht man, wenn man sich aus dem Auto aussperrt und mit Besorgnis
feststellt, dass der Schlüssel noch steckt ?
Und das in einer Stadt wie Frankfurt, ohne Geld für einen Schlüsseldienst ?
Natürlich die Grauen Zellen anstrengen und eine Idee herzaubern.
Maggie und ich sind über eine Stunde eher am Konzertraum angekommen, als
der Rest.
Maggie, alias Marius Borowski, hatte seine Reisschüssel an der Straße
geparkt und war aus irgendeinem Grund durch die Beifahrertür ausgestiegen
und hatte vorher den Knopf der Fahrertür runtergedrückt - aus Versehen
oder Willentlich wüssten wir Strategen wirklich nicht mehr.
Nun gut. Wir entschieden uns dazu, das Auto zu knacken.
Zunächst riss Maggie erstmal die Gummidichtung der Beifahrertür auf.
Ich grinste, weil das wirklich mehr als cool war, was wir da vorhatten.
Auf einer befahrenen Straße einfach so ein Auto zu knacken, obwohl es das
eigene war, sorgte zwar für vereinzelte Blicke, aber kein Mensch schien
sich dazu berufen, nachzufragen oder ähnliches in die Wege zu leiten.
Während Maggie nun versuchte, die Tür ein wenig aufzubiegen, indem er mit
ruckartigen Bewegungen am oberen Türrahmen einen kleinen Schlitz bog,
machte ich mir erstmal ein Bier auf, um besser nachdenken zu können. Wir
brauchten eine Schlinge.
Kein Problem, sagte Maggie, er hatte einen provisorischen Schweißdraht als
Autoantenne angeschraubt. Den können wir gut als Draht benutzen.
In der Gosse neben der Bürgersteigkante fand ich dann noch ein etwa 15 cm
langes Stück Paketband - alles war paletti.
us dem Paketband eine Schlinge gemacht und am Draht befestigt, standen
wir nun da und gingen frisch ans Werk.
Maggie setzte seine ganze Körpermasse ein, um den Schlitz im Türrahmen
weit genug aufzureißen, damit ich in Ruhe den Knopf in die Schlinge
bekommen konnte.
Da kommt auf einmal ein langhaariger Typ des Weges.
Was will der denn jetzt, dachte ich und er sagte : Hey Jungs, na , knackt
ihr erstmal das Auto ? Habt ihr mal Feuer für mich.
Mit der glimmenden Zigarette schlenderte er weiter und kümmerte sich kein
bisschen mehr um uns.
Wir ließen das erstmal so stehen - Žne gute Geschichte für nachher, wenn
der Rest der Non Conformer da sind, und mit einem Schmunzeln im Gesicht
dachte ich nur noch : Wie cool ist diese Welt eigentlich ?
Das Auto war geknackt und wir brachten unser Equipment ins Innere des
Konzertsaales.
Es war recht geräumig hier, die Bühne hoch und groß.
Wir kamen schon mal mit den Veranstaltern in Kontakt und hielten
Smalltalk.
Für die Bands gab es einige Paletten Dosenbier und die standen bereits am
Bühnenrand bereit.
Es waren noch geschlagene fünf Stunden bis zum Konzertbeginn.
An diesem Wochenende sollten Hunderte von Punks vor allem aus dem Osten
angereist kommen.
Heute war Freitag und als Auftakt sollten mit uns weitere zwei Bands
auftreten.
Einen Tag später startete ein Open Air ein Stückchen weiter auf einer
freien Bühne.
Wie gesagt hauptsächlich Ostbands, schnell, laut, radikal.
Der Rest von uns kam ungefähr eine Stunde nachdem Maggie und ich
angekommen waren.
Marius fährt wie der Henker, Deathmetal bis zum Anschlag aufgedreht - und
ständig am Zigaretten drehen, auch bei Tempo 150. Ich bin immer gerne
mitgefahren, wenn auch mit einem hohen Adrenalinspiegel im Blut,
vielleicht auch gerade deswegen.
Auf einer Landstraße hat sich mal ein paar Hundert Meter eine Taube auf
die rechte Spur gesetzt, da hat er extra das Gaspedal durchgetreten, in
der Hoffnung, das blöde Vieh noch zu erwischen.
Maggie hielt nichts von Vegetariern und vielleicht war es auch sein
Musikgeschmack, der ihn zeitweilig etwas morbide stimmte.
Wisst ihr eigentlich, wie die Leute gucken, wenn du als Fahrer eine
selbstgebautes Nietenarmband mit 30 Stück 160er Nägeln trägt und dabei
aus dem Fenster brüllt ? Ich weiß es.haha.
Auch Autosurfen macht Spaß, sich einfach aus dem Fenster hängen und ins
Türfenster setzen, die Hose runterziehen und mit blanken Hoden den
Fahrtwind genießen. Das ist Punkrock.
Aber genug davon. Marius Heinemann, der übrigens das erste Album "Caramba"
eingespielt hatte, welches meiner Meinung auch unser bestes ist, kam durch
die Tür und hinter ihm auch Karsten und Manu.
Es schien alles in bester Ordnung, alle vor Ort und von nun an folgte der
Aufbau des Sets und alles Formelle. Zum Beispiel Dosenbier trinken, wobei
wir nach einigen Dosen passenderweise den Song "Dosenbier" von ZK
anstimmten.
So langsam füllte sich die Gegend auch schon mit Punks, das Wetter draußen
versprach ein geiles Wochenende.
Soundcheck für den Abend.
Zu der Zeit funktionierte mein guter alter Laney noch tadellos.
Die meisten kannten uns hier nicht und gerade diese Tatsache würde uns
diesen Abend noch zum Verhängnis werden.
Ich war so spielgeil, dass ich schon zwei Stunden vor Beginn nervös wurde.
Also chillte ich erst einmal Žne Runde mit Marius, ja wie nenne ich ihn
mal, Marius 2 ?
Maggie, alias Marius Borowski, hatte ja denselben Vornamen.
Also Drummer Motherfucker Marius und ich hingen Žne Weile auf dem
gegenüber der Bühne angebauten Balkon ab, von da aus konnte Manu auch
wunderbar mit seiner Kamera filmen.
So langsam begann die erste Band zu spielen und die spielten so dermaßen
schräg und schief, dass einem Rauch aus den Ohren stieg.
Ich hatte noch nie so fiese Coverstücke gehört, sogar die Akkorde klangen
super entfremdet.
Da passte wirklich gar nichts.
Nachdem mit Ende des Programms endlich die Erlösung folgte, spielte der
nächste Akt und der Saal füllte sich langsam.
Manu hatte seine Kamera auf dem Balkon postiert, die Instrumente wurden
noch einmal gestimmt und plötzlich hörte man sagen, draußen sei der Teufel
los.
Etwa fünfzig Punks oder auch mehr hatten sämtliche Bushaltestellen und
Glaswände in der Straße in tausend Stücke geschlagen.
Ein Punker mit Sonnenbrille (im dunkeln!) hatte etwa zehn Nummernschilde
in seiner Bundeswehrhose verstaut (wo er die wohl her hatte ?)und kam uns
mit seinen Trophäen stolz entgegengestiefelt.
Als ich aus der Tür trat, tat sich ein wildes Spiel vor meinen Augen auf :
Gegenüber hatten etwa ein dutzend aufgemotzte Golf GTI geparkt, aus den
Boxen tönte irgend welche Poppermusik und Techno. Die Punks machten nun
Jagd auf die Südländer in Markenklamotten.
Ob die sich das gut überlegt hatten, wo sie ihre Privatparty feierten ?
Manchmal sah man fünf oder sechs Punker hinter einen Golffahrer herlaufen.
Es war ein Gemetzel, die Punks aus dem Osten sind halt etwas ungehaltener,
als wir aus dem Westen.
Wir hofften nur, dass sich die Gewalt nicht auch bis in den Konzertsaal
ausbreitete.
Ein junger Kerl stand mit einer klaffenden Platzwunde im Flur des
Konzertgebäudes und blutete wie ein Tier, nachdem ihm wohl, wie mir
erklärt wurde, irgendein Wildgewordener mit einer Colaflasche bedacht
hatte.
Es war das totale Chaos.
Die zweite Band hatte bereits aufgehört zu spielen, wir also alle rauf auf
die Bühne.
Der Saal war halbvoll mit Menschen, Marius zählte mit seinen Sticks über
dem Kopf unser Intro an und los ging`s.
Unsere schnelle Mucke lockte immer mehr Leute an, auch die Punks von
draußen, die nun mittlerweile von den Poppern abgelassen hatten und einen
neuen Reiz suchten.
Ich weiß nicht warum, aber ein paar Typen in der ersten Reihe fanden
plötzlich, dass Karsten ein arroganter Arsch wäre und bespritzten ihn mit
Bier.
Es würde jetzt echt heiß, die Sprüche, die ein Langhaariger durch das
entwendete Mikro rief, waren schon heftig unter der Gürtellinie.
Die Stimmung kippte und es flogen mitten im Set Flaschen auf die Bühne.
Als Karsten eine halbvolle Halbliterdose am Kopf traf, drehte er durch und
warf sie dem Kerl mit voller Wucht zurück ans Haupt, sprang von der Bühne
und packte sich den Angreifer und schmiss ihn in ein paar am Bühnenrand
gestapelter Holzstühle.
Zu diesem Zeitpunkt hätten wir aufhören müssen. Aber wir machten einfach
weiter.
Bei "Exibitionist" traf mich dann fast eine volle Glasflasche am Kopf, ich
hatte sie gar nicht kommen sehen.
Irgendetwas blitze in der Luft und schlug mit voller Wucht an meinen
Verstärker auf.
In diesem Moment flog eine weitere, kaputtgeschlagene Flasche aus etwa
zehn Metern Luftlinie durch das Standtom von Marius.
Sie musste vom Balkon geworfen worden sein, denn Manu erzählte uns später,
er hätte es gesehen, wie einer neben ihm auf dem Balkon seine Flasche
zerschlug und in unsere Richtung warf.
Eine zweite kaputte Glasflasche versuchte Marius dann noch kurz vor seinem
Kopf abzuwehren und schnitt sich somit seine Hand auf, sodass er nicht
weiterspielen konnte.
Was war hier bloß los ? Wir machten Schluss, draußen saß Manu bereits im
Auto.
Die Kamera hatte er noch schnell in Sicherheit gebracht.
Trotzdem hatten ihm auf dem Weg ein paar Typen aufgelauert und ihm mit
voller Wucht einen Baseballschläger in den Rücken geschlagen.
Er saß nun gekrümmt in seinem Wagen und atmete schwer.
Man konnte in seinem Gesicht erahnen, wie weh das tat.
Ich sprang bei Maggie ins Auto und dann fluchtartig weg, irgendwo hin, wo
es ruhiger war.
Die Sachen würden wir am nächsten Tag abholen.
Das war unser Gig in Frankfurt und mit Sicherheit der unangenehmste von
allen.
Abert

 
   
 
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