PEOPLE LIKE YOU
 

In Berlin war die letzte Station der PEOPLE LIKE YOU – Festival Tour. Das Label aus Dortmund hat zu seinem 10jährigen Jubiläum fünf seiner Labelbands auf gemeinsame Tour geschickt. Bevor das kleine Festival in Berlin im Huxley´s losging hatte ich die Chance Labelgründer Andre ein paar Fragen zu stellen.

 

W:       Wie kam es zur Gründung des Labels ?

A:        Seitdem ich 16 Jahre geworden bin, habe ich mich um Bands gekümmert. Ich hab in einem Bookingbüro gearbeitet, hab Bands gefahren und hab 10 Jahre lang einen gut laufenden Plattenladen gehabt. Das wurde mir dann aber nach einer Weile zu langweilig. Da ich jede Menge Kontakte hatte, weil ich wo es ging direkt bei den Bands die Sachen für meinen Laden bestellt hatte, hab ich das Label gegründet. Die ersten Sachen liefen noch als Hobby nebenbei. Irgendwann habe ich mir gefragt, warum soll ich das Ganze als Hobby machen, wenn es soweit alles passt. Dann habe ich den Plattenladen aufgegeben und das Label gegründet.

W:       Was waren die ersten Veröffentlichungen auf deinem Label ?

A:        Als erstes muss man sagen, dass es trotz der Kontakte schwer ist mit einem neuen Label überhaupt Fuß zu fassen. So haben wir gleich am Anfang vier 10“ Platten und vier Mini - CDs in einem Monat raus gebracht. Gleich am Anfang haben wir PUBLIC TOYS und THE BONES veröffentlicht. Die PUBLIC TOYS waren in der Szene schon bekannt, THE BONES noch gar nicht. Das lief dann die nächsten Monate so weiter, so dass wir nach einem Jahr fast einen Overkill hatten, weil wir pro Monat im ersten zwei bis vier Veröffentlichungen gemacht haben.

W:       Das klingt nach einer Menge Arbeit. Mit wie viel Leuten hast du das Label gestartet ?

A:        Das habe ich alles alleine gestemmt.

W:       Eine deiner ersten Veröffentlichungen waren THE BONES. Wie kamen die Kontakte zu den Bands im Ausland zustande ?

A:        Die Kontakte kamen schnell zustande. Wenn in New York irgendeine Punkrockband eine Vinylsingle in einer Auflage von 300 Stück gemacht hat, dann haben wir in unserem Plattenladen 50 davon verkauft. So sind die guten und intensiven Kontakte sehr schnell zustanden gekommen. Das war natürlich am Anfang ein Vorteil, obwohl es am Anfang trotz allem sehr schwer war. Bands die ich von Herzen mag, habe ich am Anfang veröffentlicht. Viele dieser Bands kannte damals noch keiner.

W:       Das klingt nach einem großen Risiko

A:        Auf jeden Fall. Der Plattenladen lief am Anfang noch so ein bisschen parallel, wo ich auch wichtigen Background bekommen habe. Da konnte man auch Sachen noch tauschen, wie das viele kleine Labels, auch heute noch machen.

W:       Hast du das erste Jahr überhaupt mal geschlafen ?

A:        Kaum, aber das hat sich mit den Jahren auch nicht wirklich geändert. Der Arbeitsaufwand wurde und wird immer mehr. Ein Privatleben zu haben ist da sehr sehr schwer.

W:       Vor zehn Jahren war die Vernetzung auch noch nicht so einfach, oder ?

A:        Ich bin ja auch immer noch Plattensammler. Früher gab es noch kein Internet. Da musstest du per Telefon oder Fax kommunizieren. Oder du hast dich mit Freunden getroffen und bist billig mit einem Bus nach London gefahren, um dort in die Plattenläden zu gehen. Jetzt gehst du ins Internet und holst dir die Rarität in zwei Minuten.

W:       Wie kam die Spezialisierung auf Psychobilly, Rock´n´Roll und Punk´n´Roll ? Hat sich das vom Erfolg ergeben, oder magst du die Musik auch am liebsten ?

A:        Seit über die Hälfte meines Lebens lebe ich den Rock´n´Roll, und die genannten Musikstile höre ich seitdem. Ich hab Bands wie DEMENTED ARE GO, THE METEORS oder MAD SIN in meinen Anfangstagen gefahren und jetzt sind sie auf meinem Label. Alles was so die 80er Garde war, wie BAD MANNERS, GBH…die habe ich alle gefahren.

W:       Hast du die Bands in den Anfangsjahren des Labels weiterhin gefahren und für die Konzerte gebucht, oder hast du nur die reine Labelarbeit gemacht ?

A:        Ich hab von Anfang an immer ein Komplettpaket angeboten, d.h. wir bringen eine Platte raus, kümmern uns um Konzerte und um alles was damit zusammenhängt.

            Meine Frau und ich wir haben einen kleinen Bauernhof, da haben die Bands früher noch geschlafen. So konnten wir uns Hotelkosten sparen. Das hat sich aber mit der Zeit verselbständigt und wurde mit der Zeit einfach zu stressig. Ich hab dann angefangen mit Booking – und Promoagenturen zu arbeiten.

W:       Mittlerweile kann man sagen, dass du mit dem Label großen Erfolg hast. Wie hat der Erfolg auf dich gewirkt ? Wie gehst du mit dem Erfolg um ? Hast du von anderen da Neid zu spüren bekommen ?

A:        Ich sehe das als gesunden Konkurrenzkampf. Am Anfang habe ich mit bestimmten Labels viel geliebäugelt, weil die Sachen veröffentlicht haben die ich auch gerne gemacht hätte. Von Jahr zu Jahr kamen dann immer mehr Bands zu mir, und Jahr für Jahr haben wir auch immer mehr Labels überholt. In Deutschland sehe ich uns als größtes Label die Punkrock, Psychobilly und artverwandtes machen.

W:       Wie sucht Ihr die Bands aus ?

A:        Mittlerweile bekommen wir extrem viel Material von unbekannten aber auch bekannten Bands. Ich denke das hängt zum einen damit zusammen, dass es kleine Labels immer schwerer haben. Zum anderen ist es so, dass wir eben nicht nur eine Platte veröffentlichen wollen, sondern auch das Ganze drum herum machen. Das ist den Bands wichtig. Das sind allerdings auch die Punkte wo wir unser Geld reinstecken. Die Produktion und der Vertrieb, das kostet Geld. Das muss vorgestreckt werden, und das ist unser Geld, unser Risiko. Dadurch, dass es bei uns funktioniert, bekommen wir Anfragen von Bands ohne Ende. Mittlerweile auch Bands, von denen ich früher nur Fan war.

W:       Viele kleine Labels haben in meinen Augen das Problem, wenn mal ein oder zwei Bands nicht laufen, dann ist es das finanzielle Aus.

A:        Es ist ja nicht so, dass nur die Labels sterben. Die Vertriebe haben es auch immer schwerer. In dieser schwierigen Lage muss man die richtigen Partner finden. Was nützt es einem wenn man z.B. im Ausland ordentlich Platten verkauft, aber das Geld vom Vertrieb nicht bekommt. Man braucht Partner auf die man sich verlassen kann, und man muss überall seine Kontakte haben. Der persönliche Kontakt zu allen ist das wichtigste überhaupt. Bevor eine Band bei uns unterschreibt, lernen wir uns erstmal kennen. Die Band kann musikalisch super sein, wenn sie aber menschlich komplette Volltrottel sind, dann wird diese Band bei uns nicht unterschreiben.

W:       Gab es für dich in den letzten 10 Jahren einen Punkt wo du gesagt hast “ Jetzt schmeiß ich alles hin“ ?

A:        Diesen Punkt gab es. Da ich auch mein ganzes Herzblut in das Label reinbringe, mache ich das nicht komplett aus wirtschaftlichen Gründen. Wenn man finanziell enttäuscht wird ist das hart, aber wenn man persönlich von Menschen denen man vertraut hat, enttäuscht wird, dann ist das viel schlimmer.

W:       Es gibt immer mehr Musik auf MP3. Hast du das Gefühl, dass Musik nicht mehr den Stellenwert, die Wertschätzung hat wie früher ?

A:        Es gibt zwei Sachen. Für uns als People like You Records haben wir eine richtig gute Fanbasis aufgebaut. Da gibt es eine Menge Leute die eine Platte noch haben wollen.

            People like You veröffentlicht jedes Produkt auch als Schallplatte! Das zweite ist, dass wir unsere CDs sehr aufwendig machen. Bei uns ist keine CD einfach nur im Plastikcover, Vierfarbcover rein und fertig. Deswegen haben die Leute auch Interesse  unsere fertigen Produkte zu kaufen.

            Die Jüngeren interessiert das alles nicht mehr. Die wollen lieber das neueste Shirt kaufen, wenn sie auf das Konzert gehen. Die werden also das Shirt kaufen und nach dem Konzert vielleicht die Musik runterladen. Solange die Leute aber auf Konzerte gehen, und dort ihr Geld lassen, haben wir auch gute Arbeit geleistet.

W:       Gehen die Tonträgerverkäufe bei euch auch zurück ? Viele Bands sagen ja mittlerweile, dass man mit den Tonträgerverkäufen kein Geld mehr verdienen kann, sondern nur noch mit Konzerten.

A:        Mittlerweile muss man alle Punkte zusammenrechnen. Die Sachen funktionieren trotzdem noch. In unserem Szenebereich möchten die Leute trotz allem noch Tonträger kaufen.

W:       Was würdest du jemandem sagen, der jetzt ein Plattenlabel gründen möchte ?

A:        Es ist sehr schwer. Man muss wirklich mit 150 % hinter seiner Sache stehen. Man kann sein Privatleben für sehr lange Zeit komplett vergessen. Wenn es dann nach einer Zeit gut läuft, kann man sein Privatleben sowieso vergessen. Dann braucht man auch das gewisse Händchen um Bands zu bekommen. Diese Bands muss man versuchen groß zu machen. Es macht keinen Sinn eine Platte zu veröffentlichen, und zu sagen, dass die Scheibe toll ist. Wenn die bei Media Markt eine Platte unter vielen ist, kauft die kein Mensch. Man muss jedes Mal das Komplettpaket den Bands verkaufen.

W:       Ich hab das Gefühl, dass Ihr auch versucht, wie es früher normal war, Bands aufzubauen.

A:        Wenn wir zu den Bands stehen, und die erste Scheibe von den Verkäufen noch nicht so gut ist, wir aber die Band wirklich mögen, dann geben wir den Bands auch eine zweite Chance. Wir sehen in unseren Bands viel Potenzial.

W:       Wie ist das Feedback eurer Bands, die aus dem Ausland kommen, in ihrem Heimatland zu People like You ?

A:        Da musst du die Bands fragen. Ohne hochnäsig zu klingen denke ich, dass unser Ruf mehr als gut ist.

W:       Wie lief eure Jubiläumstour bisher ?

A:        Perfekt. Super Crew. Das Team ist sehr professionell. Die Bands sind seit dem ersten Tag gut aufeinander zu sprechen. Es ist ein großes perfektes Team. Eine eingeschweißte Familie. Jeder hilft jedem. Am Ende des Abends war bisher jede Show ausverkauft.

W:       Welche Veröffentlichungen sind von People like You in Zukunft geplant ? Was hat People like You noch vor ?

A:        Wir werden in diesem Jahr die Firma umstrukturieren, so dass wir danach auch wieder einen richtigen Plan haben. Wir haben viele neue Releases und neue Bands in Planung.

Die nächsten Releases sind die BROILERS – DVD, eine neue Scheibe von THE ADICTS, von MAD SIN und von DEMENTED ARE GO.

Ab Herbst 2009 kommen wir noch geballter als jemals zu vor auf den Markt !

 
   
 
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